Wird man doch noch posten dürfen: Die normative Konfliktstruktur der digitalen Zensur-Debatte

Holger Marcks
IDZ Jena
Harald Sick
IDZ Jena

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Der politische Vorwurf der Zensur mag so alt sein wie die Demokratie selbst, die Debatte darum reißt nicht ab – besonders vor dem Hintergrund kommunikationstechnologischer Verschiebungen im digitalen Zeitalter. Aktuell ist er wieder in vieler Munde, auch und gerade mit Blick auf die Online-Dimension. In der Blitzlicht-Analyse werfen wir einen Blick auf die Konturen der Zensur-Debatte auf Telegram, wofür 447.000 Nachrichten ausgewertet wurden, schauen uns den Debattenstrang rund um die Verfolgung der Nutzung verfassungsfeindlicher Symbole genauer an und ziehen wissenschaftliche Diskussionen über Zensur zur Einordnung heran. Die Analyse verdeutlicht, dass der Vorwurf der Zensur als Chiffre für breiter zu fassende Kämpfe um Meinungsfreiheit zu verstehen ist – und ein differenzierter Umgang mit den Kritiken angeraten ist.

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Zensurbefunde kamen lange Zeit eher von linker Seite. Hier etwa zu sehen ein Klassiker der Punk-Band Male (1979): »Zensur & Zensur«. Generell war gerade in der Punkszene Zensur ein großes Thema. Bands waren hier öfters von einer Indizierung betroffen, so etwa auch »Die Ärzte«. Mitunter trug man den Stempel »zensiert« stolz auf der Brust, als Ausweis der Nonkonformität.
Grafik aus den Protesten gegen das Vorhaben von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU), den Zugang zu kinderpornographischen Inhalten im Netz zu erschweren. Damals (2009) war man linkerseits gar nicht einverstanden mit Eingriffen in die digitale Kommunikation; sie seien Vorstufe weiterer Zensurmaßnahmen und mit einem liberalen Staat nicht vereinbar. Von einer »Stasi 2.0« war die Rede.
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Anzahl der Nachrichten auf Telegram (gesamt), in denen über Zensur gesprochen wird.

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Wer wird in den Telegram-Nachrichten als Zensor bzw. Opfer benannt?

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Fußnoten