Glossar
Antisemitischer Code aus Holocaustleugner-Kreisen. Er verweist auf die falsche Behauptung, im Holocaust seien nur ca. 271.000 Jüdinnen und Juden ermordet worden, statt rund sechs Millionen.
Ein US-amerikanischer Verschwörungsideologe und Gründer des Online-Portals Infowars. Bekannt wurde Jones für Falschbehauptungen, etwa zum Amoklauf an der Sandy Hook Schule, aber auch für Verschwörungstheorien rund um »Deep State«, Impfungen oder globale Eliten. Durch seine große Reichweite prägt er viele digitale Debatten.
Abkürzung für American Israel Public Affairs Committee: ein einflussreicher pro-israelischer Lobbyverband in den USA. Der Verband ist oft in der Kritik, weil für seinen Lobbyismus und der Position in der Nahostpolitik; in antisemitischen Narrativen wird AIPAC oft als Chiffre für »jüdische Kontrolle« benutzt.
Ein Trend in sozialen Medien, um Moderation oder algorithmische Benachteiligung zu umgehen. So wird etwa etwa »unalive« statt »dead« genutzt oder veränderte Schreibweisen. Algospeak kann Selbstschutz sein, wird aber auch genutzt, um problematische Inhalte an Filtern vorbeizuschleusen.
Spricht eine Verschwörungstheorie an, wonach angeblich ein verborgenes Netzwerk aus Geheimdiensten, Verwaltung, Militär, Medien oder Eliten, das gegen demokratische Kontrolle regiere. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem südosteuropäischen Kontext und beschreibt eine Kritik an realen Machtstrukturen – insbesondere jene von paramilitärischen Kräften. Heute wird aber zumeist verschwörungsideologisch genutzt.
Hashtag/Slogan zu »Death to the IDF«, also »Tod der israelischen Armee«. Er tauchte im Kontext von Gaza-Protesten auf und ist stark umstritten, weil er je nach Verwendung als anti-militärischer Protest, Gewaltparole oder Hasscode gelesen wird. Besonders kontrovers wurde die Parole im Zusammenhang mit dem Auftritt des britischen Grime-Duo Bob Vylan diskutiert, die den Slogan auf großer Bühne auf einem Musikfestival skandierten.
Unter diesem Begriff versteht man eine rhetorische Figur, die damit arbeitet, dass politische Aussagen je nach Publikum unterschiedlich verstanden werden können. Der Begriff nimmt Bezug auf die Funktionen einer Hundepfeife, die hörbar für Hunde ist, aber nicht für Menschen. Analog werden politische Inhalte in codierten Botschaften von einer Zielgruppe erkannt, von einer breiten Masse jedoch nicht verstanden. So können auch Maßnahmen des Deplatformings oder der Zensur umgangen werden. Ob es sich im konkreten Fall aber wirklich um eine Codierungspraxis handelt, ist schwer festzustellen, eben weil Menschen sehr unterschiedlich kommunizieren und unterschiedliches meinen. Der Vorwurf des Dogwhistling läuft daher auch leicht Gefahr, ins Verschwörungstheoretische abzugleiten.
So wird der personalisierte Haupt-Feed von TikTok. Der Algorithmus zeigt dort Videos, die zu bisherigem Verhalten passen, basierend auf: Watchtime, Likes, Kommentare, Shares, Sprache, Standort und Themeninteressen. Oft abgekürzt als FYP.
Ein neonazistischer Slogan mit 14 Wörtern, geprägt vom Rechtsextremisten David Lane. Er ruft zur Sicherung einer angeblichen »weißen Zukunft« auf und dient als zentraler Code in White-Supremacy-Milieus, oft auch über die Zahl 14 abgekürzt.
Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Kontext religiöser Erweckungsbewegungen in den USA. Heute wird er oft in QAnon-Milieus genutzt für ein angebliches baldiges »Erwachen« gegen eine geheime Elite.
Ein hebräisch/jiddischer Begriff für »Nichtjude«. Der Begriff ist an sich beschreibend, je nach Kontext aber auch abwertend oder ironisch verwendet. In antisemitischen Milieus wird der Begriff oft verzerrt, um angebliche jüdische Verachtung gegenüber Nichtjuden zu behaupten oder man identifiziert sich gleich selbst als Goy, um die Abgrenzung gegen Jüdinnen und Juden zu betonen.
Abwertender Internetbegriff aus antisemitischen/rechtsextremen Räumen. Er meint angeblich minderwertige Massenkultur oder ungesundes Essen für »Goys« und ist mit Verschwörungsfantasien über jüdische Kontrolle verknüpft.
Antisemitische Karikatur eines jüdischen Mannes, verbreitet in rechtsextremen Foren und Memes. Sie arbeitet mit alten antisemitischen Stereotypen wie Gier, Manipulation und Verschwörung und dient oft als visuelle Dog Whistle.
Ein bekanntes hebräisches Volks- und Feierlied, oft bei jüdischen Festen gespielt. Der Titel bedeutet etwa »Lasst uns froh sein«. In Memes kann es neutral, ironisch oder antisemitisch codiert verwendet werden – der Kontext entscheidet.
Ein Honeypot ist eine Falle, die Zielpersonen anlockt. Online kann das ein Account, Server, Link oder Angebot sein, das Menschen zu Aussagen, Klicks oder Datenpreisgabe verleitet. Auch Sicherheitsbehörden nutzen Honeypots gegen Cybercrime.
Looksmaxxing beschreibung einen Online-Trend, dessen Protagonisten zum Ziel haben, das eigene Aussehen zu optimieren. Hierzu gehören Kleidung, Fitnessstudio, Hautpflege, Frisur, teils auch riskante OPs oder extreme Routinen. Der Begriff kommt aus dem Incel-Milieu bzw. der Manosphere, wird aber auch breiter auf TikTok genutzt.
Neue Weltordnung: Die Idee der »New World Order« (NWO) wird im Kontext von Verschwörungstheorien mit der Idee eines geheimen Plans einer Elite verbunden, die nationale Souveränitäten abschaffen und eine autoritäre Weltregierung errichten möchte. Sie entstammt meist rechtsextremen, fundamentalistischen oder esoterischen Kreisen und gilt als klassische Verschwörungstheorie.
Übermäßiges Entfernen oder Blockieren legaler Inhalte durch Plattformen, Filter oder Moderation. Es passiert oft aus Vorsicht, wenn Regeln unklar sind. Die Folge: legitime Gegenrede, Bildung, Kunst oder Betroffenenberichte verschwinden mit.
Eine Verschwörungserzählung aus dem US-Wahlkampf 2016. Sie behauptete fälschlich, demokratische PolitikerInnen betrieben einen Kinderhändlerring in einer Pizzeria. Die Geschichte wurde widerlegt, führte aber zu realer Gewalt und prägt bis heute QAnon-Milieus.
Bewusste Umdeutung eines abwertenden Begriffs, Symbols oder Memes durch eine betroffene Gruppe. Ziel ist, Scham oder Fremdzuschreibung zu brechen und Kontrolle über Bedeutung von Begriffen oder Hashtags zurückzugewinnen oder zumindest streitig zu machen – etwa bei früheren Schimpfwörtern.
Meint einen verschwörungsideologischen Kult, der sich um falsche Behauptungen dreht, die von einer anonymen Person (bekannt als »Q«) aufgestellt wurden. Ihre Erzählung besagt, dass satanische, kannibalistische Eliten einen globalen Ring für systematischen Kindesmissbrauch betreiben. Entstanden während Trumps Präsidentschaft, wird von einem tiefen Staat ausgegangen, der die Regierung kontrolliere.
Ein Präventionsansatz gegen Radikalisierung, der auf Plattformen und Suchmaschinen umgesetzt wird: Menschen, die nach extremistischen Begriffen suchen, werden demach zu Gegenrede, Hilfsangeboten oder glaubwürdigen Alternativinhalten weitergeleitet. Ziel ist nicht Zensur, sondern Umlenkung im Suchmoment.
Absichtliches Posten von absurden, provokanten, schlechten oder chaotischen Inhalten. Es kann harmloser Humor sein, aber auch Strategie. Ziel ist es, eine verständigungsorientierte Diskussionen unmöglich zu machen.
Eine spezifische TikTok-Funktion, mit der ein Ausschnitt aus einem fremden Video in ein eigenes Video eingebaut und kommentiert wird. Stitches dienen Reaktion, Kritik, Remix, Kontextualisierung oder auch Angriffen auf ursprüngliche CreatorInnen.
Ein Science-Fiction-Roman von Edward Bulwer-Lytton aus dem Jahr 1871. Darin lebt eine unterirdische, technisch überlegene Gesellschaft, die die Kraft »Vril« nutzt. Der Roman wurde auf verschiedenste Weise in esoterischen und verschwörungsideologisch Kreisen mit weltanschaulichen Fragen vermischt.
Geprägt wurde der Ausdruck The Great Noticing auf 4chan als Selbstbeschreibung vermeintlich Aufgeklärter, die glauben, hinter politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen einen solchen Einfluss zu erkennen.
Als Vril wird die fiktive Energie einer überlegenen Zivilisation in dem Roman The Coming Race bezeichnet. Später wurde »Vril« in okkulten und esoterischen Kreisen sowie in nationalsozialistischen Mythen als angebliche Urkraft der »arischen Rasse« umgedeutet.
Ein TikTok-/Reels-Konzept, wonach ein Protagonist sich als Teil einer Gruppe inszeniert und bspw. sagt: »Wir sind MATR, natürlich machen wir Data Science«. Das Meme spielt mit Klischees über Gruppen, Berufe oder Szenen – manchmal selbstironisch, manchmal ausgrenzend.
Online-Phrase, die scheinbar harmlos Überraschung ausdrückt. In antisemitischen Kontexten wird sie oft als Code genutzt: Man »entdeckt« angeblich, dass hinter Ereignissen mal wieder Jüdinnen und Juden stünden und zeigt sich dann doch wenig überrascht.
Yakub ist eine Figur aus der Lehre der Nation of Islam: Yakub soll ein Wissenschaftler gewesen sein, der »weiße Menschen« erschaffen habe. Die Erzählung ist religiös-mythologisch, pseudohistorisch und wird häufig in rassistischen oder antisemitischen Kontexten zitiert. Im Kontext des Agartha-Memes erscheint Yakub als Bild eines schwarzen Mannes mit einem großen, knollenförmigen Kopf, der als prüft, ob bestimmte Personen Eintritt nach Agartha bekommen.